• Im Nordosten Syriens wird eine demokratische Rätestruktur mit feministischen und ökologischen Grundsätzen aufgebaut.
  • Der IS und andere Dschihadisten wurden durch die Selbstverteidigungskräfte vertrieben.
  • Erdogan will lieber IS Gebiet als selbstverwaltetes Rojava. Er belagert und greift das 5-Millionen Einwohner:innen umfassende Gebiet an.

Im Herbst 2014 hörten die meisten Menschen auf der Welt zum ersten Mal von Kobane: Die Stadt, die dem IS standhielt und den Siegeszug der Dschihadisten ins Stocken brachte. Bilder von jungen Kämpferinnen gingen durch die Medien, ein Mythos war geboren.
Was die wenigsten Medien berichteten, ist jedoch, was diesen Widerstand möglich gemacht hat. Warum verteidigten Menschen in einer kleinen Provinzstadt jeden Meter bis aufs Äußerste, während Metropolen wie Mossul oder Rakka fast kampflos an das Kalifat gefallen waren?
Viele würden sagen, dass auch die Antwort auf diese Frage in Kobane zu finden ist. Vor neun Jahren, am 19. Juli 2012, umstellten bewaffnete Jugendliche dort die Regierungsgebäude und zwangen die verbliebenen Einheiten der syrischen Polizei und Armee zum Abzug. Die bewaffneten Jugendlichen nannten sich YPG und YPJ, das Ereignis war der Auslöser für eine sich rasch ausbreitende Autonomiebewegung im vornehmlich kurdischen Norden Syriens – die Revolution von Rojava.
Seit der Schlacht um Kobane hat sich viel verändert. Aus den erbittert umkämpften kleinen Kantonen ist das Autonome Nord- und Ostsyrien geworden. Dieses selbstverwaltete Gebiet hat über 5 Millionen Einwohner:innen, die größtenteils arabisch sind und zu denen neben Kurd:innen auch viele andere Minderheiten gehören. Die Guerrillaverbände von YPG und YPJ sind zu einer Armee herangewachsen, die Unterstützung von den USA erhält und an der Spitze des SDF-Militärbündnisses fast ein Drittel Syriens kontrolliert. Die Kämpfer:innen Rojavas sind gemeinsam mit ihren arabischen Verbündeten bis an die Ufer des Euphrat vorgerückt, um dem IS ein Ende zu machen, doch im Norden besetzte die türkische Armee Afrin, Tel Abyad und Serekaniye und Tausende kamen in den Bombenangriffen ums Leben.
Erdogans Besatzungs- und Belagerungspolitik hat die Bevölkerung sichtlich geschwächt. Dennoch haben die Menschen der Autonomen Regionen an ihrem Ziel festgehalten: Ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Die Revolution hat Unzählige vor Massakern durch die syrische Luftwaffe oder die Truppen des IS bewahrt und den weltweiten Aufstieg des Kalifats aufgehalten. Sie hat die jahrtausendealte Unterdrückung der Frau infrage gestellt und dazu geführt, dass heute Frauen in Nordsyrien führende Rollen in Politik, Gesellschaft und Militär einnehmen und weit über die Grenzen der Region hinaus den Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung jeglicher Art führen. Sie hat inmitten des Krieges einen friedlichen Ort der Zuflucht geschaffen und hunderttausenden Geflüchteten ein neues Zuhause gegeben. Dem autoritären Nationalstaat hat sie eine demokratische Konföderation entgegen gestellt, welche auf Solidarität und Menschlichkeit beruht und Menschen auf der ganzen Welt inspiriert.
All das ist durch die Diktatur in der Türkei bedroht. Erdogan hat keinen Zweifel daran gelassen, dass die Autonomie Rojavas für ihn ein größeres Übel darstellt als der Islamische Staat, und dass er vor nichts zurückschrecken wird, um sie zu vernichten. So ist der solidarische Kampf für die Revolution von Rojava auch ein Kampf gegen Erdogans Diktatur und den türkischen Faschismus.


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