• Erdogan leugnet den Genozid an Armenier:innen!
  • Vertreibung und Umsiedelung von kritischen Menschen in der Osttürkei!
  • Erdogan verfolgt Kritiker:innen auch im Ausland. Als Handlager dient dabei auch die faschistische Organisation der Grauen Wölfe

Beim Wort «Vertreibung» im Zusammenhang mit der Türkei kommt den meisten Menschen in erster Linie der Genozid an den Armenier:innen, welcher in der Zeit des ersten Weltkriegs unter dem osmanischen Reich je nach Schätzung zwischen 300’000 und 1’500’000 Todesopfer forderte, in den Sinn. Diese Verbrechen werden auch heute noch von Erdogan geleugnet.1
Die Vertreibung und Verdrängung von ethnischen und religiösen Minderheiten zieht sich wie ein Roter Faden auch durch die Geschichte der türkischen Republik, seien dies griechische Orthodoxe, Armenier:Innen, Kurd:Innen oder andere Völker, welche im Gebiet der heutigen Türkei leb(t)en.

Bereits Kemal Atatürk, der Gründer der modernen Türkei, verfolgte eine völkische Ideologie, welche alle Parteien an der Macht fortführten. Heute wird dieser Kurs unter der Erdogan Regierung mit einem islamistischen Fundamentalismus erweitert und der Säkularismus verliert zunehmend an Bedeutung. Dies führt neben der Verfolgung aufgrund von Ethnie zu weiteren Unterdrückungen aufgrund der Religionszugehörigkeit. Erdogan, der schon als junger Mann ein antisemitisches Theaterstück schrieb, fiel erst kürzlich wieder wegen seiner antisemitischen Äusserungen auf.

Erdogan bekämpft jegliche Religionen, die nicht mit seinem Weltbild übereinstimmen. So schwang Erdogan eine Lobeshymne auf einen Dichter, welcher Alevit:innen, Drus:innen und Jesid:innen „wie Brennnesseln ausreissen und wegwerfen“ will.
In jüngster Vergangenheit zeigte sich die Vertreibungspolitik Erdogans besonders in den kurdischen Gebieten. In den Metropolen von Nordkurdistan/Südosttürkei wurden ganze Stadtteile dem Erdboden gleichgemacht. In den neu gebauten Häusern finden nur noch erdogantreue Türk:Innen oder ihm loyale, sunnitische Araber:Innen Platz. Auch im Nordirak und Nordsyrien verfolgt Erdogan mit seinen Kriegen und seiner expansiven Aussenpolitik eine Vertreibungsstrategie.

Doch der lange Arm Erdogans reicht weit nach Europa. Allen voran geht dabei die faschistische Bewegung der Grauen Wölfe. Die MHP (Milliyetçi Hareket Partisi –Partei der nationalistischen Bewegung) ist der politische Arm der Grauen Wölfe in der Türkei und bildet seit 2018 ein Wahlbündnis mit Erdogans Regierungspartei AKP. Ideologisch stützen sich die Grauen Wölfe auf einen rassistischen Volksmythos, dessen Ziel ein grosstürkisches Reich ist und welcher von sexistischen Rollenbildern, angeblicher männlicher Dominanz, Autoritarismus, Antisemitismus und Homophobie begleitet wird. Der Parteigründer der MHP wird auch nach seinem Tod immer noch als «Führer» (Başbuğ) verehrt. Die Grauen Wölfe fallen in Europa oft durch die Einschüchterung progressiver Kräfte auf. Dabei schrecken sie auch vor politischen Morden und anderen Anschlägen nicht zurück. In Deutschland gelten sie als grösste rechtsextreme Organisation; in Frankreich wurden die Grauen Wölfe verboten.2

Die Revolution in Rojava zeigt: Eine breite Allianz, welche alle ethnischen Gruppen im Kampf vereint und ihre Existenz bejaht, kann dem Faschismus in der Region die Stirn bieten und eine echte Perspektive erschaffen.

1: https://haypress.de/erdogan-initiiert-staatliche-kampagne-zur-leugnung-des-genozids-an-den-armeniern/2: https://www.deutschlandfunk.de/graue-woelfe-in-deutschland-der-traum-vom-grosstuerkischen-100.html


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